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Land verbietet Abriss des Rostocker Volkstheaters: „Bleibt es dabei, droht uns eine Bauruine“

21d 19h ago by discuss.tchncs.de/u/lichtmetzger in rostock@feddit.org from www.ostsee-zeitung.de

In zwei Jahren soll das neue Volkstheater in Rostock fertig sein und die alte Spielstätte in der KTV verkauft werden. Die Millionen sind fest eingeplant. Doch nun gibt es ein Problem: Das Land hat einen Teil des Gebäudes unter Denkmalschutz gestellt. Welche Folgen das hat.

Der Plan steht seit Jahren und ist denkbar einfach: Wenn Ende 2029 das neue Volkstheater am Bussebart eröffnet ist, will Rostock einen Teil der Baukosten von etwa 208 Millionen Euro unverzüglich wieder „reinholen“ – durch den Verkauf des alten Theaters, der alten Spielstätte in der KTV.

Fünf bis zehn Millionen Euro sollen die rund 10.000 Quadratmeter einbringen. Doch daraus dürfte (vorerst) nichts mehr werden, weil das Land Rostock einen Strich durch die Rechnung macht: Teile des alten Theaters müssen erhalten werden, sie stehen jetzt unter Denkmalschutz. Rostock will das nicht hinnehmen, weil es richtig teuer werden könnte.

Abriss (vorerst) vom Tisch

Denn statt sich über einen Abriss oder Verkauf des alten Theaters Gedanken machen zu können, steht die Hansestadt nun vor der Frage, wo sie Millionen für eine Sanierung des alten Theaters herbekommen soll oder wie sie den Denkmalschutzstatus noch verhindern kann. Denn eigentlich sollen auf dem Gelände perspektivisch eine Quartiersgarage, eine Begegnungsstätte und vor allem Wohnungen entstehen.

„Plattmachen“ ist aber nicht mehr: „Der Denkmalwert des Volkstheaters wurde durch das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege (LAKD) als oberste Fachbehörde im Oktober 2025 erkannt, wodurch kraft Gesetzes der Denkmalschutzstatus eingetreten ist“, sagt Christoph Wohlleben, Sprecher des zuständigen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur in Schwerin.

Nur DDR-Bauten sind Denkmal

Die Entscheidung aus Schwerin betrifft aber nicht das gesamte Gebäudeensemble. „Der Denkmalwert wurde ausschließlich für die Bauten und die Freiflächengestaltung der 1970er-Jahre erkannt, die aufgrund der qualitätvollen und geschlossenen Gestaltung ein herausragendes Zeugnis DDR-zeitlicher Architektur sind“, erklärt Wohlleben. Geschützt sind demnach der Theatervorplatz zwischen Doberaner Straße und Windmühlenstraße, das Foyer und der Gebäudeteil rund um die Probebühne.

„Die zwischen 1975 und 1978 entstandene Erweiterung des Volkstheaters Rostock steht für eine frühe Rückbesinnung auf die historische Stadt und für eine qualitätvolle Weiterentwicklung des Bestands“, so das Ministerium.

In der Begründung heißt es auch, dass das Volkstheater unter der Leitung des langjährigen Intendanten Hanns Anselm Perten eine der profiliertesten Bühnen der DDR gewesen sei. „Die repräsentative Erweiterung war Ausdruck dieser besonderen Wertschätzung.“ Die Gebäude am Patriotischen Weg dürften hingegen abgerissen werden.

Rostock kann Sanierung nicht bezahlen

Für Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (43, Linke) kam die Entscheidung aus Schwerin überraschend: „Denn wir sehen das anders“, sagt sie der OZ. Auch die stadteigene, untere Denkmalschutzbehörde hatte den Denkmalwert geprüft, um zu klären, ob wirklich für mehrere Hundert Millionen Euro ein Neubau her müsse oder ob das alte Theater saniert und erweitert werden könne.

Eines der Argumente: Ein Erhalt der alten Spielstätte ist für Rostock nicht „zumutbar“, nicht zu bezahlen. Unter anderem sei der DDR-Gebäudeteil zu klein, der Brandschutz nicht mehr gewährleistet, das Haus hochgradig mit „bestimmten Baustoffen“ belastet. Von Asbest ist die Rede. Und davon, dass die Umkleiden der Probebühne bereits gesperrt sind – wegen Schimmel.

Gigantische Bauruine in der KTV?

Der Fall erinnert an ein zweites Beispiel in der Hansestadt – an die Societät Maritim. Der alte Museumsbau ist ebenfalls marode, eine Sanierung würde um die 30 Millionen Euro kosten. Die Stadt hofft, mit dem Land eine Einigung finden zu können, und bietet die Societät als Standort für das archäologische Landesmuseum an.

Bis Ende Juni darf Rostock zur Entscheidung des Landes Stellung nehmen, die Stadt arbeitet an einer Ablehnung. „Wir können uns eine Sanierung des alten Volkstheaters nicht leisten. Und auch ein privater Investor wird es nicht tun.“ Ihre Sorge: „Bleibt es bei der Entscheidung, droht uns mitten in der KTV eine gigantische Bauruine.“

In zwei Jahren soll das neue Volkstheater in Rostock fertig sein

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