Konkurrenz für Restaurants: Rostock will Kantinen in mehreren Stadtteilen eröffnen
2d 17h ago by discuss.tchncs.de/u/lichtmetzger in rostock@feddit.org from www.ostsee-zeitung.deMacht die Hansestadt bald der Gastronomie Konkurrenz? – Ja, sagt der Hotel- und Gaststättenverband an der Warnow. Was den Dehoga, aber auch CDU und FDP in der Bürgerschaft aufregt: Das Rathaus prüft, in mehreren Stadtteilen sogenannte „Quartierkantinen“ zu eröffnen.
Die „Mittagsmatrosen“, der stadteigene Essenversorger für Schulen, soll die Restaurants betreiben. Offen für jedermann. Auch in der Innenstadt, direkt am Neuen Markt.
In diesen Stadtteilen sollen Kantinen entstehen
Auslöser der Planungen ist eine Idee der Linken in der Bürgerschaft: Die hatte vom Rathaus gefordert, wieder mehr „Leben“ in die großen Wohnstadtteile zu bringen. Groß Klein, Lichtenhagen, die Südstadt und auch Gehlsdorf würden mehr und mehr zu „Schlafvierteln“. Es fehle an Angeboten vor Ort – an Restaurants und Kneipen, aber auch an Geschäften und Freizeitangeboten.
Das Rathaus sieht das offenbar genauso: „Die Verwaltung prüft, inwiefern sich Quartierkantinen realisieren lassen, um gemeinsam mit den ‚Mittagsmatrosen‘ eine wohnortnahe Versorgung sicherzustellen. Denkbar wäre auch, Schul-Caféterien am Nachmittag temporär als Stadtteilcafés zu nutzen und so neue Orte der Begegnung zu schaffen“, schreibt Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (43/ebenfalls Linke) in ihrer Antwort auf den Antrag.
Warum die Stadt „Quartierkantinen“ plant
Auf Nachfrage wird die Stadtverwaltung mehr konkret: „In Rostock gibt es eine erhebliche Anzahl von Menschen, die sich nicht mehr selbst mit warmem Essen versorgen und sich äußerst einseitig ernähren – zum Beispiel mit Tiefkühlpizzen“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Kanaa (64). „In vielen Stadtteilen gibt es gar keine kommerziellen Angebote für ein Mittagessen mehr. Mit den ‚Quartierkantinen‘ könnten wir diesen Missstand beseitigen.“
Kanaa betont: Das Angebot werde von der Stadt nicht subventioniert. „Es würden die Gerichte des Schulessens angeboten, vor allem auch zum Mitnehmen.“ In den kommenden Monaten will die Stadt nun – wenn die Bürgerschaft zustimmt – mit Wohnungsgesellschaften über mögliche Standorte sprechen.
CDU: „Planwirtschaftliche Experimente“
Christian Albrecht (37), Fraktionschef der Linken in der Bürgerschaft, ist begeistert: Seine Fraktion wollte eigentlich das Rathaus „nur“ dazu bewegen, mit privaten Unternehmen über neue Angebote zu sprechen. „Wenn die ‚Mittagsmatrosen‘ das nun selbst wollen, ist das mehr als wir uns erhofft hatten. Dass wir uns ernsthaft mit dem Thema ‚Quartierkantinen‘ befassen, ist genau das, was wir wollen für die Menschen in den Stadtteilen.“
Doch der Plan ist bei anderen Fraktionen umstritten: Die CDU beispielsweise spricht bereits von „planwirtschaftlichen Experimenten“: „Wir reden hier nicht mehr über Schulessen, sondern über den Einstieg der Stadt in die flächendeckende Versorgung ganzer Stadtteile. Das ist ein besorgniserregender Rückfall in alte planwirtschaftliche Denkmuster“, sagt CDU-Fraktionschefin Chris Günther.
FDP-Politikerin Julia Pittasch schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Wir wollen keinen ‚VEB Gastronomie‘ in Rostock“, sagt sie. „Wer mit Steuergeld eine Großküche aufbaut und anschließend privaten Anbietern Konkurrenz macht, verzerrt den Wettbewerb.“
Eine Kantine auch im Rathaus?
Rostocks Dehoga-Chef Andreas Szabó, Betreiber des Café Käthe und FDP-Mitglied der Bürgerschaft, regt ein anderer Punkt viel mehr auf: Die Stadtverwaltung räumt auf OZ-Anfrage nämlich ein, dass auch in der Innenstadt – im Rathaus – eine neue Kantine entstehen könnte. Sobald der Rathausanbau fertig ist, könnten im „Altbau“ Räume dafür frei werden. Stadtsprecherin Kanaa: „Hierfür werden die entsprechenden Nutzungskonzepte erst noch erstellt.“
Szabó sagt dazu: „Gerade im Rostocker Rathaus erschließt sich mir der Bedarf nicht. Im Gebäude selbst und nur wenige Meter vor der Tür gibt es bereits gastronomische Angebote. Die Stadt sollte private Angebote stärken, statt neue Konkurrenz mit Steuergeld zu schaffen.“