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Umgang mit dem Tod entfernter Verwandter

2d 11h ago by feddit.org/u/123 in fragfeddit@feddit.org

Mir wurde schriftlich mitgeteilt, dass kürzlich jemand aus meinem Umfeld im überdurchschnittlichen Alter verstorben ist. Auch aufgrund gesundheitlicher Probleme war das durchaus absehbar. Damit verbunden ist der Hinweis auf den Ort und den Zeitpunkt einer Trauerfeier (also eine Einladung, schätze ich?)

Wir waren nicht direkt miteinander verwandt, unser verbindenendes Element ist die Hochzeit eines Nachkommen mit einer Person aus meiner Familie.

Eine enge, herzliche und vertraute Beziehung hatten wir aus meiner Sicht nicht. Aber unangenehm wäre auch zu viel gesagt. Ich würde es als minimal zugewandt beschreiben. Eine Stufe nach reiner Sachlichkeit, Nüchternheit mit gelegentlichen Geburtstagsgrüßen und eher oberflächliche Plauderei am Rande von größeren Ereignissen, bei denen wir uns hin und wieder gesehen haben.

Nun bin ich verunsichert und weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Dinge wie allgemeiner Anstand, "Masken"/Inszenierungen, ungeschriebene Moral/Gesetze, Erwartungshaltungen oder so sind für mich unangenehm und schwierig. Gerade im engeren, sozialen Umfeld.

Schreibe ich eine Kondolenzkarte oder nicht? Wie viele und welche Worte wären angebracht? Ich habe null Gefühle der Trauer oder des Verlusts, somit würde ich mich verbiegen und nicht aufrichtig zu mir selbst sein wenn ich nun "mein (herzliches) Beileid" oder "Anteilnahme" bekunde.

Besuche ich die Feier? Ich würde die anderen Verwandten aus direkter Linie treffen und ihnen dieses auch noch mündlich zu sagen fühlt sich ebenfalls ausgesprochen falsch an. Zwar habe ich Empathie und kann mir ausmalen, wie sie der Tod berühren wird, insbesondere die jüngsten und engsten Angehörigen, ich aber bin in meiner Vorstellung dort einfach fehl am Platz. Trost spenden und/oder in Erinnerungen schwelgen können die unter sich wohl besser.

Durch die Trägerschaft des Friedhofs werden christliche Aspekte wohlmöglich durchscheinen, jedoch ergibt sich ohne Glauben oder irgendeine religiöse Überzeugung (der toten Person und von den Angehörigen einschließlich mir) wahrscheinlich kein besonderes Ritual das mich jetzt dahin locken würde um Respekt zu zollen, die Seele auf die Reise zu schicken oder so etwas. Beten und singen jedenfalls wäre wieder etwas was Unwohlsein in mir auslösen könnte, wegen des allgemeinen Anstands und vergleichbarem (siehe oben). Vom letzten Willen, der nun zur Erfüllung anstünde ist mir nichts bekannt.

Was und wie denkt ihr darüber? Habt ihr einen Rat?

Als jemand der kürzlich auf der anderen Seite stand kann ich die vielleicht diese Perspektive geben: Es ist beeindruckend wenn Menschen Platz in ihrem Alltag schaffen für dieses Ritual. Beerdigungen sind für die Lebenden - wenn dir etwas an den 'direkt Trauernden' liegt rate ich dir, geh hin, sei da und höre den Leuten einfach nur zu. Du musst keinen Schwank beitragen, einfach da sein reicht hin. Du musst nicht die Gastfreundschaft in Anspruch nehmen danach, aber Gesicht zeigen zeugt von Teilnahme und Verbundenheit.

Wichtig auch: bekunde der gesamten Familie die am Sarg/der Urne steht dein Beileid. Es ist verdammt schmerzhaft wenn man da stehen gelassen wird - auch wenn man keine Beziehung zu den Leuten hat, man fühlt sich vergessen.

Persönlich würde ich die Zähne zusammenbeißen und hingehen. Musst ja wohl keine reden halten oder irgendwie im Mittelpunkt stehen, aber die betroffeneren angehörigen werden es sicher dankend anerkennen dass du dir Zeit genommen hast zum Abschied nehmen.

Als Ich das letzte mal bei einer Beerdigung war musste ich kaum irgendwas sagen, nur etwas bedrückt auftreten, und gegen Ende etwas Erde ins Grab schaufeln. Ich war zwar auch wirklich bedrückt in dem Fall, aber die meisten angehörigen Verstorbener sind einfach dankbar für die Anteilnahme. Das Gefühl, dass der Mensch welcher ihnen wichtig war, auch anderen Leuten was bedeutet hat.

Ich würde mindestens eine Karte schreiben, in der du ausdrückst, dass du weißt, wie nahe sich die verstorbene Person und Empfänger:in der Karte standen und viel Kraft für die nächste Zeit wünschst.

Eventuell wurde dir die Information nur der Information halber gesendet, ohne die Erwartung, dass du die Trauerfeier besuchst. Einfach um einer unangenehmen Situation ala "wie geht's eigentlich X so?" - "Ähm, X ist letzten Juni gestorben" - "oh. Ähm, tut mir leid?" in der Zukunft vorzubeugen.

Vielleicht kannst du der Person Näherstehende fragen, was sie von dir erwarten würden.

Bei Beileidsbekundungen geht es weniger um den Wortsinn, "mein Beileid" ist einfach eine weitgehend inhaltsleere Floskel und hat würde ich sagen eher den Zweck, dass man Mitgefühl mit den Hinterbliebenen ausdrückt, als dass man damit seine eigene Trauer ausdrückt.

Ob ich zur Trauerfeier hingehe, würde ich davon abhängig machen ob es in deiner Familie normal ist, dass man zu Trauerfeiern von entfernten Verwandten geht. Bei mir z.B. überhaupt nicht, aber da gibt es zu entfernten Verwandten auch kaum Kontakt (gibt in meiner Familie anscheinend viele, die ihre Geschwister oder Cousins/Cousinen nicht leiden können).

Ich würde persönlich auch hingehen, sofern es die Zeit erlaubt.

Zum religiösen Teil: Beten und Singen kannst du auch einfach schweigend auslassen. Das ist respektvoll und du achtest auf deine eigene Bedürfnisse.

Naja, also wenn dir Unwohl dabei ist... Man kann sich ja immer eine gute Ausrede ausdenken und nicht hingehen. Letztendlich denke ich kommt man auch eh nur so halb für die verstorbene Person zur Beerdigung. Eigentlich kann es demjenigen egal sein, er/sie ist ja tot und wird das sicherlich nicht mitbekommen. Ich geh da eher für mich hin. Oder für die anderen, lebenden Personen die mitkommen und Abschied nehmen wollen. Glaub das ist aber eine Minderheitenmeinung 😅
Also wirklich angenehm ist das ja selten. Sich verbiegen und ganz Unwohl fühlen ist ja aber auch nicht Sinn der Sache. Eine Karte kann man aber denke ich wohl schreiben wenn das irgendwie von einem erwartet wird.

Ich denke, solange der Verstorbene nicht wirklich ein naher Verwandter (z.B. Eltern/Geschwister) ist, braucht man sich keine Ausrede auszudenken. Es wird niemand fragen, warum man nicht bei der Trauerfeier war. Oftmals steht ja auch bei Todesanzeigen in der Zeitung Zeit und Ort der Trauerfeier dabei. Und da ist zwar jeder eingeladen, der die Zeitung liest, aber es wird nicht erwartet, dass jeder kommt. Wenn es Dir wichtig ist, von dieser Person Abschied zu nehmen, gehst Du hin und wenn nicht, dann nicht. Man muss dabei auch nicht unbedingt mit den Angehörigen in Erinnerungen schwelgen, wie OP geschrieben hat. Ich kenne es so, dass es nach der eigentlichen Trauerfeier/Beerdigung noch einen Kaffee und ein Stück Kuchen irgendwo in der Nähe gibt wo dieses Schwelgen passiert. Da kann aber auch jeder selbst entscheiden ob er da hin gehen möchte. Ich habe auf beiden Seiten gestanden und noch nie erlebt, dass jemand dafür verurteilt wurde, dass er sich entschieden hat nach der Trauerfeier direkt zu gehen oder zum "gemütlichen Teil" zu bleiben.

Es ist für die Hinterbliebenen jedenfalls tröstlich zu sehen, wenn viele Leute Anteil nehmen. Das geht aber - wie Du auch geschrieben hast - durchaus mit einer Karte. Dabei muss man sich auch nicht unbedingt verbiegen, wenn man den Hinterbliebenen z.B. seine Anteilnahme ausdrückt und viel Kraft für die schwere Zeit wünscht. Genau so, wie man dem Kassierer im Supermarkt einen schönen Feierabend wünscht, ohne dass es einen persönlich wirklich betreffen würde, wenn er keinen schönen Feierabend hat.

Ich würde nur eine Kondolenz-Karte schreiben mit dem üblichen Text. Du verbiegst Dich dabei überhaupt nicht, sondern wahrst die Form. Ja, es ist gewöhnlich, Standard eben, aber Du hattest ja nur oberflächlichen Kontakt zu dem Verstorbenen. Natürlich drückst Du mit der Karte auch ein Bedauern im gewissen Maße aus. Es ist traurig, wenn ein Mensch gestorben ist. Allgemein gesagt.

Ich gehe prinzipiell nicht zu Beerdigungen/Trauerfeiern. Meine Mutter versteht das, das ist das wichtigste.